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SPENDE

#Bleibistan????

NEWSGROUP AFGHANISTAN: #BLEIBISTAN

Eine Wanderausstellung zum Thema Asyl, Ablehnungen und Afghanistan, in Fotografie und Collage

Nächste Ausstellung: München
Veranstalter: Initiativgruppe
Ort: Saal der Initiativgruppe, Karlstrasse 50 , 80333 München
Vernissage: Freitag, 9.2.2018. Geöffnet bis zum 23.03.2018

"Die Entscheider, sehen sie uns als Mensch oder als ein Stück Papier?"
–Mohsen Hassani, seit 2015 in Berlin

Diese Frage der Ohnmacht, der Erfahrung, abgestempelt zu werden, war Ausgangspunkt für das junge Berliner
Medienkollektiv Newsgroup Afghanistan , sich im Sommer 2017 dem Thema der Asyl-Ablehnungen zu stellen.

Nicht zuerkannt. / Abgelehnt. / Nicht zuerkannt. Diese Botschaft wird seit 2016 reihenweise jungen
Menschen aus Afghanistan in einem gelben Briefumschlag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
zugesandt. 18 Seiten Amtsdeutsch, ein Dickicht von Paragraphen, Schachtelsätzen und Fremdwörtern – wenn
der Bescheid kommt, wird er nicht gelesen. Seite 1 sagt genug: “Ich habe Abschiebung bekommen.”

Der “gelbe Brief” und die Aufforderung, “freiwillig” zurückzugehen, wird zunehmend zum Tabu. Es wird nicht
darüber gesprochen, nicht untereinander und erst recht nicht mit der zurückgebliebenen Familie im
Herkunftsland. Der Inhalt des Briefes verletzt, er verleugnet die schmerzhaften Erfahrungen von Gewalt und
Diskriminierung. Die Ablehnung raubt Perspektiven oft gerade in dem Moment, wo Deutschland beginnt, sich ein
klein wenig wie ein Zuhause anzufühlen – jetzt, wo die Sprache nicht mehr allem im Wege steht, wo oftmals
schon Schulplätze, Wohnungen, Freundschaften gefunden worden sind. Das Atem-Anhalten geht weiter.

Die jungen Medienschaffenden der Newsgroup Afghanistan haben im letzten Sommer eine intensive Recherche
betrieben und sowohl eigene Ablehnungsbescheide und Anhörungsprotokolle analysiert, als auch andere junge
Afghanen eingeladen, ihre Erfahrungen mit dem Asylprozess zu teilen. Entstanden ist eine mobile Ausstellung, in
der Textfragmente aus den negativen Asylbescheiden visuell aufbereitet werden: in klassischen
Studio-Fotografien und poetischen Collagen im Bannerformat werden die Absurditäten und Unmenschlichkeiten,
sowie die oft haarsträubenden Fehler der Asyl-Bürokratie sichtbar gemacht.

Die Kreativität der jungen Künstlergruppe erobert so einen Handlungsraum zurück: sie verwandelt die Ablehnung
in eine Anklage, in einen Appell an den gesunden Menschenverstand und die mitmenschliche Einfühlsamkeit und
Solidarität. Humor und Sarkasmus wechseln mit nüchterner Analyse, verspielte Motive mit Darstellungen von
Furcht und Terror. Zusammen hat die Newsgroup eine journalistische Workshop-Methodik entwickelt und
erprobt, die die Gruppe nun in andere deutsche Städte tragen möchte, um in den afghanischen Gemeinden ein
verstärktes Bewusstsein für die politischen Zusammenhänge der Asylverfahren zu wecken, und auch allgemein
ein größeres Verständnis für einen Prozess zu wecken, der sich hinter verschlossenen Türen abspielt.

Mit ihrem neuen Projekt interveniert die Newsgroup zu einem Zeitpunkt der politischen Öffnung: in den letzten
zwei Jahren wurden im Rahmen der deutschen Wahlkampf-Politik zunehmend Forderungen laut, die nach einer
Verschärfung der Abschiebepraxis generell, aber insbesondere in Bezug auf Afghanistan verlangten. Angesichts
der sich verschlechternden Sicherheitssituation in Kabul, den anhaltenden Protesten und der
Medien-Aufmerksamkeit in Deutschland, und der zunehmenden Kritik an den unzulänglichen Arbeitsprozessen
des BAMF ergab sich so im Sommer 2017 ein Moment, in dem die direkt betroffenen jungen Menschen eine
wichtige Stimme zur Diskussion beitragen können und wollen. Es ist offen, wie eine neue Regierung weiterhin zu
dem Thema politisch handeln wird.

Mehr Infos und visuelle Dokumentation .
Projektpartner und Förderung: Yaar e.V., Ulme 35, Y not, Open Society Foundations, Netzwerk Selbsthilfe, Rosa
Luxemburg Stiftung.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und Ihre Fragen: newsgroupafghanistan@gmail.com
Katja Heinemann: (0151) 7439-5637
Mohsen Hassani: (0152) 1387-1869